Zaubermuseum: „Die Zauberwelt; Illustrirtes Journal für Salon Magie und Moderne Wunder; Zeitschrift für Künstler und Dilettanten“

Herausgeber: Carl Willmann

„ZW“  Jg.1903, S30

Magische Räucherungen     


Wie die Erfahrung lehrt, sind selbst in unserer Zeit Unverständige, die mit Hülfe der in sogenannten „Zauberbüchern“ beschriebenen Manipulationen das Erscheinen von „Geistern“ herbeizuführen suchen, in nicht geringer Zahl vorhanden. Darauf deutet u.a. auch der Umstand, dass Bücher wie „Faust`s Höllenzwang“, das „Buch der magischen Geheimnisse“ und wie solche Schriften alle heissen mögen, zahlreiche Käufer finden und immer wieder zum Kauf angepriesen werden. Die in diesen Büchern angegebenen Vorschriften, um magische Erscheinungen hervorzurufen, sind aber nicht nur unsinnig an und für sich, sondern auch so schwierig auszuführen, dass der Leichtgläubige, der sich darauf einlässt, in den meisten Fällen gar nicht damit zustande kommt. Nach einer gewissen Vorschrift soll z. B. die Mischung von Asa foetide, Eppich und pulverisiertem Drachengebein eine magische und auch heilwirkende Kraft besitzen. Wer kann aber pulverisiertes Drachengebein auftreiben? J.B.Porta teilt in seiner Magia naturalis mit, wie eine „Hexensalbe“ hergestellt werde, nämlich aus dem Fett von Kindern, dem Blut von Fledermäusen, Hexenkraut, Wolfswurz und Mohn, alles gehörig gekocht und zu einer Salbe eingedampft. Es ist durch Gerichtsverhandlungen thatsächlich erwiesen, dass im Mittelalter Menschen, besonders Kinder, ermordet worden sind, um ihr Fett oder ihre Gebeine zu abergläubischen oder occultistischen Zwecken herzugeben. Nach Cornelius Agrippa soll man,  „um die Luftgeister zu versammeln“, aus Walrath, Aloeholz, Rostwurz, Moschus, Safran und Thymian ein Pulver machen, dieses mit Wiedehopfblut benetzten und es dann anzünden. Räuchert man damit an den Gräbern, so würden die Manen der Verstorbenen sogleich erscheinen. Eckartshausen gab folgende Bestandteile eines Räucherpulvers an: Schierling, Bilsenkraut, Safran, Aloe, Opium, Mandragora, Nachtschatten, schwarzer Mohnsamen, Saft des Sumpfeppichs, Asa foetida und Sumpfporst. Diese Mischung angezündet und über Gräbern dampfend, werde die Schatten der Verstorbenen erscheinen lassen. Ein neuerer Occultist, Karl Kiesewetter, hat eine Menge Vorschriften über magische Räucherungen gesammelt, und man erkennt daraus, dass es sich dabei meist um die Verwendung von Giftpflanzen wie Bilsenkraut, Schierling, Nachtschatten und dergleichen handelt, Pflanzen, die bei unvollständiger Verbrennung einen durchdringenden Rauch verbreiten, der eingeatmet, lediglich zu Vergiftungserscheinungen für den Experimentierenden führt, die sich als Hallucinationen desselben darstellen. Kiesewetter erzählt, dass er selbst mehrfach mit solchem Rauchwerk Versuche angestellt habe, ohne jemals etwas anderes zu erfahren als starke Kopfschmerzen. Zu weiteren Vergiftungserscheinungen ließ er es nicht kommen, indem er sich verständigerweise den gefährlichen Dämpfen nur kurz aussetzte.