Zaubermuseum: „Die Zauberwelt; Illustrirtes Journal für Salon Magie und Moderne Wunder; Zeitschrift für Künstler und Dilettanten“

Herausgeber: Carl Willmann

„ZW“  Jg.1900, S32 Leserbrief

München, den 13.Januar 1900

An die Schriftleitung der „Zauberwelt“.


Wieder ist ein Zauberkünstler dem unheilvollen Kunststück „Der kugelfeste Zauberer“, welches auf Seite (... ) des Jahrganges (...) beschrieben wird,zum Opfer gefallen. Ich weiss nicht mehr, welcher deutsche Zauberkünstler vor einigen Jahren bei derselben Nummer seines Programmes seinen Gehilfen erschoss und sich dadurch ins Gefängnis brachte. (Joung?) Auch in England ist vor Jahren ein ähnlicher Unfall vorgekommen. Ich halte es für meine Pflicht, in Ihrem weitverbreiteten Fachblatte des neuesten Falles Erwähnung zu thun, um Zauberkünstler zur äussersten Vorsicht zu mahnen. Am besten wäre es freilich, wenn diese alte und nicht einmal interessante Nummer von dem Programm der ausführenden Künstler gänzlich abgesetzt würde. Am 28.Januar vorigen Jahres gab ein Künstler Namens Michael Hatal, ein geborener Ungar, eine Vorstellung in einem kleinen Saale, No. 197, East fourth Street in New York. Als die reihe an die Nummer „der unverwundbare Künstler“ kam forderte Hatal einen Zuschauer namens Benjo auf, ein altes Gewehr mit zwei vorher in einem Glase zur Untersuchung gereichten Kugeln zu laden und auf ihn abzufeuern. Der Schuss krachte, und als der Rauch sich verzogen hatte, sahen die entsetzten Zuschauer Hatal sich in seinem Blute wälzen, seine Gattin, welche als Dienerin auf der Bühne anwesend war, über ihn gebeugt. Benjo wurde verhaftet, aber alsbald wieder entlassen, da ihn nicht der geringste Vorwurf traf. Ein verhängnisvoller Irrtum (...) hatte dem zweiunddreissigjährigem Familienvater das Leben gekostet. Er starb am folgenden Tage im Krankenhause „Bellevue“ in New York City.

Anm. Und blieb nicht der letzte (Chung Ling Soo sei genannt)