Zaubermuseum: „Die Zauberwelt; Illustrirtes Journal für Salon Magie und Moderne Wunder; Zeitschrift für Künstler und Dilettanten“

Herausgeber: Carl Willmann

ZW Nr 3/4, 1898, S33

„Bellachini   -Fortsetzung-

lokale und führte mit Erlaubnis der Wirte seine Kunststücke vor.

       Er gefiel, und nach und nach vervollkommnete er sich in seinem Beruf. Was ihm auch zustatten kam war der Umstand, dass es zu damaliger Zeit noch nicht so viele Zauberkünstler gab und das diese Kunststücke damals mehr als heute angestaunt und bewundert wurden. Aber man muss ihm nachsagen, dass er seinen Beruf auch schon als Jüngling richtig auffasste. Er verstand sein Geschäft.-

      Mit gefülltem Geldbeutel eilte er der Heimat zu und machte dann in Kalisch die Bekanntschaft eines Kaufmanns, welcher ihn mit Geld unterstützte, so dass er sich die neuesten Apparate anschaffen und nun Vorstellungen in besseren Lokalen geben konnte. Kaum 16 Jahre alt, trat er Ende des Jahres 1843 zum ersten Male öffentlich auf, und zwar mit durchschlagendem Erfolge. Von dieser Zeit an war seine Existenz gesichert. Sein Renommèe wuchs und sein Name war in aller Munde. In sehr kurzer Zeit erwarb er sich ein Vermögen. Er verheiratete sich dann mit der Tochter eines hochangesehenen Arztes und entsprangen dieser Ehe zwei Kinder, ein Sohn und eine Tochter. Den Sohn verlor er 1883 durch den Tod. Der hoffnungsvolle Jüngling, welcher schon ziemlich erwachsen war, siechte an den Folgen einer Pistolenmensur dahin.

      Als wohlhabender Künstler reiste Bellachini später wiederholt nach Amerika, machte hier einige grössere Tournèen und brachte eine bedeutende Anzahl Dollars mit in die Heimat. Auch seinen kleinen Diener, den Negerknaben John Steinmetz, brachte er von drüben mit. Diesen verwendete er zur „Enthauptung“, und wenn er gelegentlich der Vorführung der „Eier legenden Henne“ seinem älteren Diener eine Anzahl Hühnereier aus dem Munde hervorgezaubert hatte, holte er dem „John“ zum Schluss ein schwarzes Ei aus dem Munde hervor, wodurch er stets die grösste Heiterkeit unter den Zuschauern hervorrief.

   Bellachini war eine originelle Erscheinung; aber sein joviales Auftreten wie seine behäbige und ruhige Vortragsweise haben ihm viele Freunde geschaffen. Er nahm es mit dem Dativ und dem Akkusativ nicht so genau, und wenn man ihn auf die gemachten „Schnitzer“ aufmerksam machte, pflegte er wohl zu sagen: „Ob ich mir oder mich sage, ist egal; von der Sache verstehen sie doch nichts!“

      Hunderte Scherze und Anekdoten werden von ihm erzählt, und wenn sie doch nicht alle wahr sind, so sind sie teilweise doch hübsch erfunden. So wird z.Bsp. von ihm erzählt, dass er gelegentlich einer Vorführung bei Hofe Kaiser Wilhelm I. eine Feder überreichte, mit der Bitte, die Worte „Bellachini versteht nichts“ zu schreiben. Der Kaiser versuchte zu schreiben, allein die Feder versagte. Bellachini bat hierauf, die Worte „Bellachini ist Hofkünstler des Deutschen Kaisers“ zu schreiben, und sofort funktionierte die Feder, worauf der Kaiser lächelnd sagte: „Ein Deutscher Kaiser pflegt sein Wort zu halten, um so mehr das, was er geschrieben hat“. Am nächsten Tag erhielt der neue Hofkünstler, welcher schon zu dieser Zeit seinen Wohnsitz in Berlin hatte, das vom Hofmarschallamt ausgefertigte Diplom zugeschickt, und von nun an war er ein gemachter Mann, der es vorzüglich verstand, den Titel „Hofkünstler“ für Reklamezwecke auszunutzen.

        Oft musste man lachen, wenn er das Ringspiel als das „Lieblingsspiel Seiner Majestät Kaiser Wilhelm I.“