Zaubermuseum: „Die Zauberwelt; Illustrirtes Journal für Salon Magie und Moderne Wunder; Zeitschrift für Künstler und Dilettanten“

Herausgeber: Carl Willmann

ZW Nr 3/4, 1898, S33

„Bellachini


Wer hätte nicht schon den Namen gehört? Viele der Leser dieser Zeilen werden sich des Trägers dieses Namens noch erinnern und den populairsten aller Zauberkünstler Deutschlands gewiss im Geiste vor sich sehen. Bellachini, dessen richtiger Name Berlach war, wurde am 5. Mai 1828 zu Ligotta in Polen geboren. Seine Eltern, welche arme Bauersleute waren, betrieben nebenbei eine kleine Gastwirthschaft. Er führte wie er selbst erzählte, oft die tollsten Streiche aus, ging ungerne zur Schule und that selten gut. Für das Klempner- Handwerk bestimmt, vermochte er diesem Gewerbe keinen Geschmack abzugewinnen, und so verliess er eines Tages plötzli
ch die Lehre. Er wollte auswandern, um Amerika kennen zu lernen, und da sein Vater, der mit ihm nichts mehr anzufangen wusste, endlich nachgeben. Mit einer Barschaft von 10 Thalern machte der reiselustige Jüngling sich auf den Weg nach London, um sich von hier aus als Schiffsjunge hinüber zu arbeiten, was ihm auch gelang.

      Es gefiel ihm jedoch in Amerika nicht und trachtete er danach, bei passender Gelegenheit mit einem Schiff zurück zu kehren. Er schmuggelte sich auf ein Dampfschiff und machte mit diesem als blinder Passagier die Reise nach Europa zurück. Anfangs hatte man ihn an Bord nicht bemerkt, da er sich unter den Waarenballen versteckt hielt bis der Hunger ihn hervortrieb. Als er zum Vorschein kam befand sich das Schiff bereits auf hoher See, und als die Leute seiner ansichtig wurden, staunten sie weniger über die Dreistigkeit als wie über die Beredsamkeit des blinden Passagiers. Er war gleich dabei um sein Talent zu zeigen, während er die Schiffsleute mit kleinen Kartenkunststücken unterhielt, vergass der alte Kapitän den in ihm entbrannten Zorn gänzlich. Er fand mehr und mehr Gefallen an dem Jungen, sodass er schliesslich bei den Passagieren eine Geldsammlung für ihn entrierte. In Lissabon angelangt, setzte man ihn an Land, und nun durchwanderte er zu Fuss Portugal, der Heimat zustrebend.

    Auf seiner Wanderung traf er mit einer Zigeunerbande zusammen, welcher er sich anschloss und mit der er lange Zeit umherzog. Hier war es, wo er die erste Anregung zu seinem späteren Beruf fand. Er lernte von den einzelnem Mitgliedern dieser Truppe die verschiedensten Kunststücke, die er sich bald aneignete. Hier war es auch, wo der Entschluss in ihm reifte, sich von nun an als Zauberkünstler eine Existenz zu schaffen, was ihm auch voll und ganz gelang. Er trennte sich von der Bande, fing klein an, produzierte sich auf den Messen und Märkten in der bescheidensten Weise, jedoch zur allgemeinen Verwunderung der braven Bauersleute. Alsdann wagte er sich in die Städte hinein und „ständelte“ hier, d.h. er besuchte die Bier-